Projekt: Selbstbau einer einfachen Rocker Plate / Low Cost SprintBoard

Projekt: Selbstbau einer einfachen Rocker Plate / Low Cost SprintBoard

Projekt: Selbstbau einer einfachen Rocker Plate / Low Cost SprintBoard

Immer wieder werde ich gefragt, ob der Bau eines SprintBoard bzw. Rocker Plate tatsächlich so aufwändig, bzw. kompliziert sei.

Die Antwort ist Nein. Im Grunde könnte sich jeder selbst sein eigenes Rocker Plate basteln, hätte man die Zeit, die Muße, den Platz, das erforderliche Werkzeug und ein Mindestmaß an handwerklichen Fähigkeiten. Eine Alternative dafür ist evtl. der Nachbar oder ein Bekannter, eine Schreinerei oder auch der Baumarkt mit seinem  Holzzuschnitt Serviceangebot. 

Klar kann man sich das fertige SprintBoard mit den bereits passenden Ausfräsungen für die Befestigung der verschiedenen Trainer in der Größe XL oder das Kleinere in Größe S kaufen, aber wenn es dann doch in den Fingern kribbelt oder auch nur das nötige Kleingeld fehlt, dann eben im Selbstbauverfahren.

Hier noch ein Vorwort zum Aufbau und Architektur des Rocker Plates:
Die deutsche Übersetzung für Rocker Plate ist "Wackel Brett". So ganz richtig bezeichnet es allerdings nicht die Funktion eines solchen. Wackeln kann vieles. Die Rocker Plates in diesem Kontext kippen entlang einer Rotationsachse von links nach rechts und ahmen dadurch die Bewegung im Wiegetritt nach. D.h. Dein Trainer steht nicht einfach nur auf einem Brett mit ein paar Bällen untendrunter, die im Prinzip nicht viel bewirken (können), sondern bei diesem Konzept schwingt der Fahrer ink. Rad und Trainer. Die beiden Bälle federn dabei die Kippbewegung sanft ab. 
Um vermeintlich noch mehr Geld zu sparen, benutzt manch einer Tennisbälle. Leider haben diese den entscheidenden Nachteil, dass man deren Druck nicht regulieren kann und daraus resultierend nicht das Gewicht des Schwungrads eines jeden Trainer (mit Ausnahme der Tacx Neo Familie) ausgleichen kann. Von daher: aufblasbare Gummibälle eignen sich am besten.

Was braucht man für den Bau ein kleines Board (S) ?

  • 2 Holzbretter - bitte nehmt dafür aber kein billiges Holz wie etwa MDF, welches zu schnell aufquillt sobald Feuchtigkeit eindringt, bzw. sich zu schnell unter Belastung verformt. Vom Preis-/Leistungs- Verhältnis eignen sich Multiplex-, bzw. Siebdruckplatten am besten.  

  • Das SprintBoard Zubehör Kit S mit:
    • 3 Gummipuffern
    • 6 Senkkopfschrauben (Stahl schwarz oder verzinkt) inkl. Inbusschlüssel
    • 2 schwarze, aufblasbare Bälle - 15cm im Durchmesser (je größer der Durchmesser, desto komfortabler das Fahrerlebnis (optional mit einer Ballpumpe inkl. 2 Ventilnadeln)
    • 2 Klettverschlüssen, alternativ Kabelbinder extra stark

Dann noch eine passende Erhöhung für das Vorderrad, weil ja nun das komplette Rad um ca. 8cm nach oben versetzt wird. Aber das war es auch schon.

Hat man die beiden Holzbretter auf die richtige Länge und Breite gebracht, die beiden kreisrunden Löcher für die Bälle eingefräst/ausgesägt und schließlich die 3 Bohrlöcher für die Gummipuffer eingelassen, so kann der Aufbau auch schon losgehen.

Bzgl. der Größe der Holzbretter orientiert man sich primär an der Größe, bzw. genauer dem Fußabdruck des Trainers.
Hier einige Beispiele (Breite x Länge im geöffneten Zustand - lt. Herstellerangaben):

 

 Marke Modell Größe (geöffnet)
Breite x Länge
Tacx Neo / Neo 2 / Neo 2T
75 cm x 57,5 cm
Tacx Flux
65 cm x 67cm
Wahoo Kickr & Kickr Core
72 cm x 54cm
Elite Suito
67 cm x 59 cm
Elite Drivo / Drivo II
80 cm x 85 cm
Elite Direto / DiretoX
65 cm x 84cm
Saris / CycleOps H2 & H3
79 cm x 50 cm

    Ist Dein Trainer hier nicht aufgelistet, so sieh einfach auf der Herstellerseite nach, oder nimm kurzerhand ein Metermaß und miss die Größe aus.

    Das nachfolgende Design der Rocker Plate halten wir universal, so dass alle möglichen Trainertypen wie oben gelistet passen.
    D.h. mit einer Breite der Holzplatten von ca. 80cm + 2-3cm Sicherheitsabstand pro Seite = ~86cm kann man nahezu alle modernen Direktantriebstrainer sowie die meisten Wheel-On Trainer auf die einfache Rocker Plate stellen. Der "Sicherheitsabstand" muss deswegen gewählt werden, da nicht der Trainer mittig auf dem Brett stehen soll, sondern das Rad. Jeder Trainer hat ein sog. Offset, und das gilt es auszugleichen. 
    Die Länge setzen wir in diesem Beispiel mit 86cm fest um damit alle oben aufgelisteten Trainermodelle abzudecken. Damit wir uns beim Auf- und Absteigen nicht an den Ecken die Knöchel verletzen, runden wir die Ecken um ca. 2-5cm ab. 

    Jetzt fehlen noch die beiden kreisrunden Ausschnitte für die Bälle, für die wir einen Durchmesser von 8cm vorsehen. Das reicht aus um einerseits bequem mit einer Ballpumpe an das Ventil der Bälle zu gelangen und andererseits ein Verrutschen der Bälle im aufgeblasenen Zustand zu verhindern. Die horizontale Position der Bälle wird am Schwerpunkt des Fahrers orientiert. Das muss nicht typisch deutsch erfolgen, sprich: ungefähr ;)
    In der nachfolgenden Skizze habe ich dafür vom unteren Rand 50cm gewählt. Der seitliche, vertikale Abstand zum Rand ist hier bei 20cm, sprich ich habe die Bälle etwas weiter nach außen platziert, um einen geringfügig höheren Rotationsradius zu ermöglichen. Übrigens reicht es aus, die Ballausschnitte nur auf der oberen Platte einzulassen. 
    Weiter geht es mit den Bohrlöchern zur Befestigung der Gummipuffer /-isolatoren. Die zentrale Position ist auch hier wieder der Schwerpunkt des Fahrers, also genau auf der Höhe der Bälle bei 50cm vom unteren Rand der Holzplatte. Die beiden anderen Bohrlöcher platzieren wir 21cm jeweils vom oberen, bzw. unteren Rand der Platte entlang der Mittelachse/Rotationsachse. Man kann die drei Gummipuffer natürlich auch linear verteilen, aber die Platzierung des mittleren auf den Schwerpunkt des Fahrers gibt einfach zusätzlich Stabilität.
     

    Das war es schon, zumindest was das "Grobe" betrifft. Jetzt fehlt nur noch die Kosmetik, sprich: Kanten abschleifen, bzw. abrunden und die Oberfläche nach eigenem Gusto lackieren oder mit einem Belag der Wahl individualisieren. 

    Als finaler Schritt: Platziere Deinen Trainer auf Deiner Rocker Plate, richte dabei Dein Rad gerade aus und fixiere Dein Trainer, indem Du mit einfachen Kabelbindern die Beine des Trainers befestigst. Dazu jeweils rechts und links eines Standbeins ein Loch in Dein Rocker Plate bohren und den Kabelbinder durchziehen. Mit etwas größeren Schlitzen oder alternativ mit sog. Riemenkrampen, die Du auf Deine Rocker Plate schraubst, kannst Du auch die Klettbänder aus dem Zubehör Set verwenden. Die ganz Fleißigen und Sicherheitsbewussten benutzen zur Befestigung der beiden äußeren Beine ihres Wahoo Kickr je eine Trussklemme. Kann man machen, muss man aber nicht ;)

    Und jetzt viel Spaß und: Ride On ;) 

    Als eigene Vorlage und Referenz oder zum Ausdrucken für den 'Schreiner um die Ecke' folgend ein paar Skizzen zu den verschiedenen Trainern mit den nötigen Maßen.
    Wer sich sein Plate gleich online bestellen will, dem kann ich beispielhaft folgende Onlineschreinereien mit Konfigurator nennen:

     

     Marke Modell Größe (geöffnet)
    Breite x Länge
    Größe
    Rocker Plate
    Link zu Skizze
    Universal n/a max 80 cm x max 85 cm 84 cm x 86 cm Universal
    Tacx Neo / Neo 2 / Neo 2T
    75 cm x 57,5 cm
    82 cm x 65 cm Neo
    Tacx Flux
    65 cm x 67cm
    70 cm x 72 cm
    Wahoo Kickr & Kickr Core
    72 cm x 54cm
    80 cm x 65 cm
    Kickr's
    Elite Suito
    67 cm x 59 cm
    72 cm x 65 cm
    Elite Drivo / Drivo II
    80 cm x 85 cm
    84 cm x 86 cm
    Universal
    Elite Direto / DiretoX
    65 cm x 84cm
    70 cm x 86 cm
    Saris / CycleOps H2 & H3
    79 cm x 50 cm
    84 cm x 55 cm


    Wer sich ein großes, sprich XL Board bauen möchte, kann auch auf die die Skizze des SprintBoard XL zurückgreifen, auf welches natürlich ebenso alle oben gelisteten Trainer passen. Das XL ist bspw. ideal für alle Kickr Climb Nutzer !

    Das passende Zubehör-Kit für das XL Board gibt es hier: DIY SprintBoard XL - Zubehör Kit

      

    Hinweis:
    Die von mir erstellen Skizzen sind beispielhaft und sollen/können jedem dienen, der sich selbst ein Rocker Plate bauen möchte. Nicht mehr und nicht weniger.  
    Lasst mich an Euren Ergebnissen teilhaben, zeigt mir Eure fertigen Plates... Entweder per Mail an info (at) kellersprinter.de oder mit einem Tag auf instagram @kellersprinter / #kellersprinter ;)

    Weitere Fragen oder Verbesserungsvorschläge Eurerseits könnt Ihr gerne hier unten posten.

     


     

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    Kommentare

    • Hallo Ralph,

      bzgl. Unterschied S zu XL hatte ich bei der SprintBoard Übersicht folgendes gepostet:

      Groß oder Klein – SprintBoard XL oder SprintBoard S?

      Grundsätzlich sind von der Funktions- und Wirkungsweise beide Varianten gleich. Bei der Frage ob klein oder groß ist nicht nur der vorhandene Platz entscheidend:

      Zwei Argumente sprechen für die große Variante (XL):

      Hast Du einen Wahoo Kickr Climb im Einsatz oder planst Du den Kauf des Kickr Climb, dann entscheide Dich für das große Board bei der sowohl Dein Trainer als auch der Climb auf exakt einer zusammenhängenden Ebene steht.
      Jeder hat seine eigene Art auf sein Rad zu steigen. Durch die Nutzung des SprintBoard ist Dein Trainer und somit auch Dein Rad um ca. 8cm erhöht. Mit der XL Version steigst Du zuerst mit den Füßen aufs SprintBoard und steigst dann auf das Rad. Bei der S-Variante musst Du ggf. zusätzlich eine Art Steighilfe nutzen.

      Versandgebühren des Zubehör Pakets mit HERMES nach AT (Stand: Dez’19): 13,90 EUR

      Rüdiger Baro am

    • Hallo,
      danke für deine gute Anleitung.
      Ich hätte da nur noch eine Frage, wo liegt der Unterschied zur großen XL Platte außer
      das man das Kleine S Board besser verstauen kann und eine Erhöhung für das Vorderrad braucht?
      Hat das S Board einen Nachteil beim Fahrgefühl? oder irgend einen anderen Nachteil?
      Was kostet der Versand vom Zubehör Kit nach Österreich?

      Danke für deine Rückmeldung
      Mit freundlichen Grüßen. Auer Ralph

      Ralph Auer am

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